Ich versuche euch hier den Hintergrund aufzuzeigen, wieso früher das Einfahren elementar für die Haltbarkeit eines Motors war und wieso heute praktisch nicht mehr eingefahren wird.
Zuerst etwas Hintergrundwissen:
Die meisten Teile in einem Motor werden spanend gefertigt, -> Drehen, Fräsen, Schleifen, Honen usw.
Dabei entsteht immer eine gewisse Rauheit, diese ist je nach Bearbeitungsart und geforderter Güte unterschiedlich gross.
Mit dem Oberflächenmessgerät kann die Rauheit gemessen werden.
Das Gerät gibt das Primärprofil der Oberfläche aus.
Stellen wir uns vor, eine Welle läuft in einer Buchse, die Wellle berührt logischerweise die Buchse nur an an den höchsten Stellen (Profilspitzenbereich) des Rauheitsprofils. Sind die höchsten Stellen schmal nutzen sie sich schnell ab, sprich es entstehen Späne. Sind sie breit, entsteht eine grosse Tragfläche, die Abnutzung ist gering.

Früher war es um einiges aufwendiger und vor allem teurer eine Oberfläche mit hoher Tragfähigkeit (grosse Tragfläche) herzustellen, deshalb mussten die Motoren teils stundenlang bei niedriger Tourenzahl eingefahren werden. So konnten sich die höchsten schmalen stellen abnutzen und eine hohe Tragfähigkeit entstand. Wurde ein Motor nicht eingefahren konnten sich die entstehenden Späne in die Laufflächen einfressen und grossen schaden anrichten.
Das ganze wird mit der sogenannten Abbott-Kurve dargestellt.
Früher entsprachen die Flächen eher der obersten Kurve, klar zu erkennen ist bei der Profilform die hohen Spitzen.
Heute entsprechen die Oberflächen dem zweiten und dritten Kurve, zu erkennen ist die Hohe Auflagefläche der Profilform.
Doch was ziehen wir nun für einen Schluss für das Einfahren in der Praxis?
Grundsätzlich ist oben bewiesen, dass heutzutage ein langes Einfahrprozedere schlicht nicht nötig ist. Es ist jedoch nötig dass ein Motor oder Zylinder zu erst eine gewisse Zeit niedertourig eingefahren wird, (da die Oberflächen auch heutzutage nie ganz perfekt sind). So werden die oberen Spitzen abgeschliffen und eine brauchbare Oberfläche entsteht. Auf keinen Fall sollte ein Motor beim ersten Start schon auf aufs maximale belastet werden, denn dann würden die Späne nicht richtig abgeführt wo durch sie schaden in den Laufflächen hinterlassen.
*Beim Einfahren wird nur die Oberfläche der Bauteile optimiert*
Achtung, beim Einfahren schleifen sich die Teile auf keinen Fall auf irgend eine Weise ein. Im Maschinenbau schleift sich grundsätzlich nie etwas ein! Wenn etwas eingeschliffen werden müsste wurde bei der Fertigung gepfuscht, sprich ausserhalb der Toleranzen gefertigt.
Auch ein zusätzliches beimischen von Öl wird wohl kaum mehr als euer Gewissen beruhigen, wichtig ist allerdings das euer Gemisch richtig eingestellt ist, so dass genügend Schmierung durch den Benzin-Öl Kraftstoff vorhanden ist.
Ich hoffe, dass ich euch mit dieser Erklärung die Theorie hinter dem Einfahren etwas näher bringen konnte

Und vergesst nicht, das alltägliche Warmfahren des Motors ist auch heutzutage noch elementar für eine Lange Lebenszeit eures Motors

vielleicht etwas fürs Anleitungs-Forum?